BERICHT
LOITA COMMUNITY HEALTH & EDUCATION CENTRE ENTASEKERA

Dr. med. MARIA SCHIESTL, Praktische Ärztin
Arbeitsbeginn in Entasekera: 5. Februar 2005

Loita Community Health & Education Center Entasekera
P. O. Box 921 NAROK - 20500, Kenya , East Africa
e-mail: drmschiestl@yahoo.co.uk


Kurzbeschreibung des Projektes

   

Entasekera liegt im Loita Hochland im Süden des Bezirkes Narok South, östlich des Wildreservates Maasai Mara im Herzen des Maasailandes.

Die Zusammenarbeit des Health Centers mit HORIZONT3000 (vormals OED) begann im Herbst 1998 durch den Personaleinsatz des Tiroler Arztes Dr. Georg Kettenhuber über einen Zeitraum von 2 Jahren. Das kleine „Krankenhaus“ war auf Initiative der lokalen Bevölkerung und mit Geldern von CEBEMO Holland und der Aktion Bruder und Schwester in Not Innsbruck erbaut und 1998 offiziell eröffnet worden.

Nach der Beendigung des zwei-jährigen Vertrages von Dr. Georg wurde nach einjähriger Pause im Jahre 2001 mein Vorgänger Dr. Manfred Oberressl der ärztliche Leiter des Entasekera Health Center. Sein Hauptziel war es, die langfristige Position des Gesundheitszentrums innerhalb des Distrikts und folgend auch eine Abschätzung der Notwendigkeit dieser Einrichtung zu definieren.

Als die notwendigen Erhebungen und die umfangreiche Projektplanung abgeschlossen waren, wurde schliesslich im Mai 2004 im Rahmen eines Kofinanzierungsprojektes mit Geldern der HORIZONT3000 Mitglied-Organisation Bruder und Schwester in Not Innsbruck und der (ADA) Austrian Development Agency mit dem Ausbau- und Erweiterungsprojekt begonnen.

Nach Einsatzbeendigung von Dr. Oberressl im Sommer 2004 kam ich, Dr. Maria Schiestl im Februar 2005 als ärztliche Leiterin nach Entasekera.

Das Umfeld des Entasekera Health Centers ist gekennzeichnet durch äußerst dünne Besiedlung, typisch für eine Bevölkerungsgruppe, die hauptsächlich von der nomadischen Viehhaltung lebt. Die daraus resultierenden großen Distanzen machen den Zugang zu den Gesundheitsstellen äußerst schwierig, was noch erschwert wird durch das völlige Fehlen einer Infrastruktur wie einem guten Strassennetz, öffentlicher und privater Transport und Telefonnetz.

Hauptgebäude Terrasse

Lichthalle  

Das Health Centre umfasst das Hauptgebäude mit einer großen überdachten Terasse für die wartenden Patienten und mit einer Lichthalle, von der aus die vier Behandlungsräume: der Ambulanzraum, der Impfraum, der Spritzenraum, der Kleineingriffsraum, sowie die vier Patienten-Zimmer, der Kreissaal (Entbindungsraum), das Karteien-Buero, ein Lagerraum, die Apotheke und der Medikamentenausgabe Raum, das Wäschelager erreichbar sind. Das Labor, die Sterilisation, die Toiletten- und Duschräume für die Patienten sind von einem überdachten Innenhof aus erreichbar.

Ambulanzraum Impfraum

Spritzenraum Kleineingriffsraum

Patientenzimmer Patientenzimmer

Patientenzimmer Patientenzimmer

Kreissaal Lagerraum

Karteien-Büro  

  Apotheke

Wäschelager Innenhof

Weiters gehören zum bestehenden Health Centre auch eine Wohnanlage mit sieben Kleinwohnungen, fünf kleine Wohnhäuser, das Wirtschaftsgebäude mit Krankenhausküche und Wäscherei, Lagerraum und Werkstätte, sowie eine überdachte Garage für das Rettungsauto und das Motorrad. Die neuen Gebäude aus dem Ausbauprogram (neue Bettenstation, Umbau der ersten Dispensary zu 3 Wohneinheiten, OP und Röntgenstation, Generatorraum sind leider nur zum Teil fertiggestellt bzw. halbfertig und bis auf den Administrationstrakt noch nicht beziehbar.

Wohnanlage Krankenhausküche

Wäscherei Werkstätte

Rettungsauto Rettungsauto

 
Administrationstrakt  

Etwas abseits befindet sich am Waldrand das Education Centre, das ein kleines Hostel, das im Zuge des Ausbauprojektes zu einer Wohneinheit für Ausbildner umgebaut hätte werden sollen, ein Schulungsraum, ein Speisesaal, Küche und Vorratsräume umfasst, sowie das neue Hostel, das ebenfalls noch nicht fertiggestellt ist und separat ein Duschen- und WC Block. Auch ein kleines Wohnhaus befindet sich auf diesem Areal.

 
Health & Education Centre  

Das Health & Education Centre, bzw. jedes einzelne Gebäude des gesamten Areals wird durch eine Solaranlage mit Strom und Licht, und die Wohneinheiten, sowie auch alle Duscheinrichtungen werden zusätzlich mit einer Solar-Heisswasseranlage versorgt. Als zusätzliche Stromquellen dienen uns zwei kleine Generatoren.

Solaranlage Solaranlage

Derzeit arbeiten 21 lokale Angestellte im Health Centre: 1 Administrator (Verwalter), 1 Clinical Officer, 4 Nurses, 1 Laborant, 1 Apotheker, 1 Schwesternhilfkraft (angelernt), 1 Rezeptionist, 1 Mechaniker, 1 Koch, 1 Wäscherin, 1 Nachtwächter, 1 Gärtner, 2 Hilfsarbeiter, 1 Community Mobiliser und Community Health Coordinator und drei zusätzliche Mitarbeiter, die an den Wochenenden in der Küche, in der Wäscherei und als Nachtwächter arbeiten.

Angestellte Angestellte

Bis zum vollständigen Ausbau des Health Centres mit OP und Röntgeneinheit und deren Inbetriebnahme müssen wir leider weiterhin alle Patienten, die ein Röntgen benötigen bzw. operiert werden müssen, nach Wasso in Tanzania oder nach Narok verschicken. Dies ist vor allem in den Regenzeiten eine große Herausforderung und Belastung für die Menschen und auch die Autos. Vor allem die Instandhaltung der Autos, die fast nach jeder Ausfahrt eine Reparatur benötigen, ist eine große finanzielle Belastung für das Health Centre, das alle Ausgaben aus den Beitragen durch die Patienten finanzieren muss.

Durch die Registrierung des Health Centres mit dem National Medical Board und dadurch Erlangung des Öffentlichkeitsrechtes, bekommt Entasekera immer wieder auch essentielle Medikamente von der Bezirksstelle zur Verfügung gestellt, sowie die TBC und HIV/Aids Therapie-Medikamente, Impfstoffe und gelegentlich auch das Gas für den Medikamentenkühlschrank. Auch einer der Pfleger wird von der Regierung bezahlt. Das Health Centre wurde auch in das Ausbildungsprogramm des Bezirkes aufgenommen und unsere Mitarbeiter werden zu diversen Kursen und Fortbildungsveranstaltungen eingeladen. Das Dictrict Medical Team macht auch immer wieder Supervision Visits nach Entasekera und bindet uns dadurch in die Planung des Bezirkes ein.


Zielgruppe:

Direkt: die Bevölkerung von Loita und der benachbarten Teilbezirke
Indirekt: die Angestellten des Health Centres und anderer Gesundheitseinrichtungen in der Nachbarschaft


Ziele des Projektes (Objectives):
Verbesserung des Gesundheitszustandes der Bevölkerung von Loita und den angrenzenden Bezirken
Festigung der Rolle des Entasekera Health Centers innerhalb der Zielgruppe. Besserer Zugang der Bevölkerung zu qualitativer diagnostischer, kurativer und präventiver Hilfe mit Verbesserung der derzeitigen Leistungen.
Verbesserung der fachlichen Qualifikationen des Personals.
Effiziente und effektive Verwaltung des Krankenhauses.
Verstärkte Einbindung des Health Centres in die Planung und Medizinische Versorgung, Trainingsprogram und Supervision des Bezirkes Narok South. Verbesserung der Infrastruktur

Arbeitsbeschreibung und erzielte Resultate:
Mein Aufgabenbereich umfasst alle Tätigkeiten, die sich aus der Rolle der ärztlichen Leitung eines kleinen „Krankenhauses“ ergeben. Diese technischen Anforderungen umfassen das ganze Spektrum der kurativen und präventiven Medizin aber auch der medizinischen Leitung des gesamten „Betriebes“.

Erreichte Ziele:
-Verbesserung der Hygiene-Standards
-Neuorganisation der Apotheke und Einstellung eines gelernten Apothekers
-Verbesserung der Labor-Einrichtung
-ein Ultraschallgerät wurde uns 2007 von Gönnern aus den USA geschenkt
-eine komplette Zahnklinik wurde im Feber 2008 durch die Sterntaler-Aktion finanziert und spanische Dentisten machen in einem Turnusprogramm nicht nur Behandlung der Zahnpatienten sondern bilden auch unsere lokalen Mitarbaeiter aus
-Einrichtung und Umzäunung des Krankenhauses und des Friedhofes
-alle „klinischen“ Mitarbeiter wurden im Rahmen des HIV Councelling Programmes der Regierung ausgebildet
-HIV/AIDS Councelling und Behandlung wurde begonnen
-Behandlung und Nachbetreuung von Tuberkulosepatienten wurde intensiviert
-durch den Anbau von Gemüse wurde nicht nur die Krankendiaet verbessert sondern auch der Eigenbedarf für die Krankenhausküche gedeckt
-die laufenden Kosten können bis zu etwa 70% aus den Patienteneinnahmen gedeckt werden

Planung für die nächste Zukunft:

 
   

-Forcierung der Aufklärungs-und Mobilisierungs-Arbeit über HIV/ Aids und Tb
-Einrichtung eines HIV/ Aids VCT-Centres und offizielle Registrierung desselbigen
-Forcierung der Follow-Up Arbeit
-Verstärkte Zusammenarbeit mit umliegenden GOK Gesundheitsstationen
- Verstärkte Zusammenarbeit mit den Regierungsstellen und Verankerung des Health Centres in die Planung des Bezirkes
-Verstärkte Nutzung des Fortbildungsangebotes des Bezirkes für den klinischen Bereich
-Medizinische Ausbildung von lokalen Bewerbern, die gewillt sind, in Entasekera eingesetzt zu werden, und Gewinnung eines lokalen Arztes und medizinischen Leiters
-Local Staff Capacity Building
-Fertigstellung und Einrichtung der begonnen neuen Gebäude
-Erarbeitung und Umsetzung eines Sustainability Planes


Dr. Maria Schiestl
Entasekera, September 2008

 
     
1 Euro = 1 Sterntaler. Spendenkonto Zillertaler Sterntaler, Raiffeisenbank Hippach, Kto 53.876, BLZ 36241