26. Dezember 2006
Sterntaler

eine Aktion von Leserinnen und Lesern mit Unterstützung der Zillertaler Heimatstimme

1 Euro - ein Geldbetrag, der in unseren Breitengraden nicht gerade Berge versetzt. Was kann man sich bei uns um einen Euro schon leisten? 1 Euro - ein Geldbetrag, der in Kenya Hoffnung schenkt. Hoffnung ein lebenswertes "Dasein" führen zu können. Hoffnung auf "ausreichend" medizinische Versorgung. Hoffnung für Menschen für die eine herkömmliche Grippe oftmals tötlich endet, für die eine lebensrettende Medikamentenpackung mehr als nur ein Weihnachtsgeschenk ist.

Hoffnung schenken Beinahe jeder kennt das Märchen vom Sterntaler, geschrieben von den Gebrüdern Grimm. Eine Geschichteüber Bescheidenheit und Solidarität. Die Zillertaler Heimatstimme hat gemeinsam mit allen Leserinnen und Lesern sowie anderen guten Geistern wie Firmen, Vereinen, Gemeinden und Institutionen die Aktion "Sterntaler - spenden und Hoffnung schenken" ins Leben gerufen, um Frau Dr. Maria Schiestl aus Ramsau bei ihrem schwierigen Unterfangen in Kenya eben diesen Menschen Hoffnung zu geben, fi nanziell beizustehen. Die Raiffeisenbank Hippach hat als Hauptsponsor bereits zu Beginn der Aktion in Zusammenarbeit mit den Raiffeisenbanken Mayrhofen und Zell dankenswerterweise einen "Meilenstein" der Solidarität mittels eines beachtlichen
Spendenbeitrages gesetzt. Mittlerweile konnte ein medizinisch unverzichtbares EKG angeschafft werden. Doch die Hilfe darf nicht aufhören - noch immer herrscht ein zu großer Mangel an lebensnotwendigen Hilfsmitteln wie medizinisch technischen Apparaten und Arzneien. Dr. Maria berichtet Seit etwa einem Monat steht die Redaktion der Zillertaler Heimatstimme mit Frau Dr. Maria Schiestl in kontinuierlichem Mail-Kontakt, in welchem sie über die aktuelle Situation in Entasekera berichtet. Mit dieser Ausgabe der Zillertaler Heimatstimme beginnend geben wir ihre Eindrücke und Erfahrungen an unsere LeserInnen weiter:

Faszination Kenya:
Ein Bericht von Dr. Maria Schiestl

Entasekera liegt östlich der Maasai Mara, dem größten Nationalpark Kenyas auf einem Hochplateau in den Loita Hills am Rande des großen Heiligen Urwaldes der Loita-Maasai, des Namininkiyio Forest, bekannt für seine Unberührtheit und Artenvielfalt an Tieren und Pfl anzen - einzigartig in Afrika und auf der ganzen Welt. Die Siedlung besteht aus dem kleinen 15-Betten Krankenhaus, das gerade mit Geldern aus Österreich (zum Großteil von der Aktion Bruder & Schwester in Not Innsbruck) erweitert wird, einer Missionsstation, einer Grundschule, einer Sekundarschule (noch im Bau) und dem etwa ½ km entfernten kleinen "Einkaufszentrum" - im ortsüblichen Sinn.

Abenteuer Anreise
Die Fahrt hierher ist ein einziges Abenteuer. Die Straßen sind eine Tortur, doch die Landschaft ist atemberaubend in ihrer Artenvielfalt: Giraffen, Zebras, Gnus, Gazellen und Antilopen in friedlicher Coexistenz mit den Herden der Maasai. Die friedlichen Maasai- Dörfer mit den malerisch gekleideten Menschen als Wegbegleiter ist ein Bild des Friedens, der Harmonie, der unendlichen Weite und Freiheit - schlichtweg paradiesisch. Man braucht ein starkes Auto und auch starke Nerven. Manchmal endet der Weg nämlich im Nichts, bzw. in einem Fußpfad. Wenn man jedoch dann in die Loita-Hügel kommt, tut sich ein landschaftliches Paradies auf und die Strapazen der Anreise sind vergessen. Traurige Farbenpracht Die Maasai sind ein wunderschönes, stolzes Volk, das trotz aller Einflüsse von außen, die althergebrachten Bräuche lebt und pflegt. Die Menschen leben in absoluter Bescheidenheit. Es ist ein karges, hartes Leben und die Farbenpracht ihrer Kleidung, ihre Lebensfreude dürfen darüber nicht hinwegtäuschen. Die meisten sogenannten Errungenschaften der Zivilisation sind an den Menschenhier spurlos vorbeigegangen. Vor allem der Gesundheitszustand der Kinder, Frauen und alten Menschen ist schlecht und verlangt nach besseren vorbeugenden und kurativen Maßnahmen. Mangelernährung, bedingt durch die Hungerperioden während der langen Trockenzeit, sind an der Tagesordnung. Entasekera Health Center Ich habe 16 Mitarbeiter. Unser Tag beginnt um 8.00 Uhr mit einem Gebet und der Morgenbesprechung, in der die Ereignisse des Vortages und geplante Arbeiten für den bevorstehenden Tag besprochen werden. Anschließend ist Visite und die ambulanten Patienten werden in Augenschein genommen. Die diensthabende Krankenschwester schaut zuerst die Patienten an und behandelt diejenigen, bei denen die Diagnose und die Behandlung klar ist - die übrigen, neuen Patienten werden mir vorgestellt. Unsere Patienten kommen aus der gesamten Loita Region, einem Radius von etwa 120km.
Sie kommen in stundenlangen Fußmärschen, manche sind sogar mehrere Tage unterwegs. Wir haben pro Monat etwa 350 ambulante und ca. 30 stationäre Patienten, darunter 4 bis 5 Tuberkulosepatienten.
Die häufigsten Erkrankungen sind Malaria, Lungenentzündungen, Bronchitis, Harnwegsinfektionen mit allen Komplikationen, Sepsis nach der Geburt (die meisten Frauen entbinden immer noch zu Hause), Geschlechtskrankheiten, Wurmbefall, Durchfallerkrankungen, Typhus - einfach die ganze Palette von Erkrankungen durch Mangel an sauberem Wasser. Es kommen aber auch viele mit Wunden und Verletzungen aller Art, Bissverletzungen durch Hunde, Abszessen, Verbrennungen, Knochenbrüchen, starkem Blutverlust nach Beschneidung, etc. Etwa 2 bis 5% unserer Patienten sind HIV-positiv. Das Bewusstsein der Bevölkerung über HIV/ AIDS ist relativ hoch, doch einem freiwilligen Test unterziehen sich die wenigsten. Es ist noch sehr viel Aufklärungsarbeit nötig. Wir haben auch 3 Außenposten, die regelmäßig einmal im Monat besucht werden. Die "Straßen" dorthin sind katastrophal und teilweise in der Regenzeit überhaupt nicht befahrbar. Und so bleibt den Patienten oft nur der stunden- aber auch tagelange Fußmarsch in unsere Klinik. Mein Arbeitstag endet gegen 18.00 Uhr. Da ich auch die Leiterin des Krankenhauses bin, gibt es auch viel Bürokram zu erledigen, der meistens zu Hause spät in der Nacht ein Ende findet. Unsere Einnahmen kommen von den Gebühren der Patienten. Daraus
müssen die Löhne, die Medikamente, das Patientenessen, der Diesel für die beiden Autos, die Instandhaltung der Einrichtung, etc. bezahlt werden - und so sind die finanziellen Sorgen relativ groß. Man muss ganz genau kalkulieren und planen, um überhaupt durchzukommen.

 
     
1 Euro = 1 Sterntaler. Spendenkonto Zillertaler Sterntaler, Raiffeisenbank Hippach, Kto 53.876, BLZ 36241