25. November 2007
Ein Jahr Aktion "Sterntaler"



Bereits das erste Jahr dieser Aktion brachte einen überwältigenden Erfolg. Tausende Sterntaler gingen auf die lange Reise zu Frau Dr. Maria Schiestl nach Afrika. Die Aktion "Sterntaler" startet mit dieser Ausgabe "Weihnachtszeit" der Zillertaler Heimatstimme ins zweite Jahr. Zwölf Monate ist es nun her, dass die Aktion "jeder Sterntaler schenkt Hoffnung" von Bekannten und Freunden von Dr. Maria Schiestl in Zusammenarbeit mit der Zillertaler Heimatstimme ins Leben gerufen wurde. Viel ist seither passiert.
Zahlreiche Vereine, Organisationen, Betriebe, Schulen, Einzelspender sowie LeserInnen der Zillertaler Heimatstimme haben mit ihrer " Sterntaler-Spende" Hoffnung geschenkt. Hoffnung für Menschen im Hochland von Kenya ein lebenswertes "Dasein" führen zu können. Hoffnung auf "ausreichend" medizinische Versorgung. Hoffnung für Menschen, für die eine herkömmliche Grippe oftmals tödlich endet, für die eine lebensrettende Medikamentenpackung mehr ist als nur ein Weihnachtsgeschenk.
. 38.000,- wurden in diesem ersten Jahr zum Aufbau der Krankenstation in Entasekera gespendet. Eine besondere Idee hatten z.B. die ehemaligen Arbeitskollegen im Krankenhaus Schwaz: Jeder Angestellte spendet monatlich . 1,- von seinem Lohn der Sterntaler-Aktion.
"Uafoch gewaltig" meint dazu eine freudestrahlende Maria. Neben überlebensnotwendigen Medikamenten wurde in diesem Jahr ein
sauerstoffproduzierendes Gerät, verschiedene Laboreinrichtungen wie z.B. eine elektrische Zentrifuge, ein hochwertiges Blutanalysegerät und ein EKG Überwachungsmonitor angeschafft. Um die oft weit entfernten "Hausbesuche" durchführen zu können, wurde für einen Krankenpfleger ein Geländemotorrad angekauft. In Zukunft steht für Maria die Verbesserung der stromerzeugenden Solartechnik, sowie die Einrichtung und Ausstattung von leerstehenden Krankenhausräumlichkeiten auf dem Programm.Über das "Sterntaler-Spendenkonto" bei der Raiffeisenbank in Hippach verfügt einzig und allein Maria Schiestl persönlich. Somit wird gewährleistet, dass jeder Cent für "ihre Krankenstation" bedarfsgerecht investiert wird und auch nicht in irgendwelche falsche Kanäle bzw. Hände gelangen kann. An dieser Stelle sei allen bisherigen Spendern ein herzliches "Vergelt's Gott" gesagt: BITTE WEITER SO - denn jeder Sterntaler schenkt Hoffnung und hilft unserer Maria zu helfen.



Aber lassen wir Frau Dr. Maria Schiestl selbst zu Wort kommen:
An Alle in der Heimat!
Wieder einmal ein herzlicher Gruss aus dem Maasailand! Mein letzter Rundbrief liegt
bereits Monate zurück und es ist an der Zeit, einen kurzen Lagebericht zu geben

Das Entasekera Health Centre hat seit der Registrierung mit dem Gesundheitsministerium im Juni einen neuen Namen: LOITA COMMUNITY HEALTH & EDUCATION CENTRE ENTASEKERA.
Der Name soll ausdrücken, dass die Bevölkerung von LOITA nun auch auf dem Papier der rechtmäßige Besitzer ist. Etwas Verwirrung gab es dann noch wegen des Grundstückes, auf dem das Health Centre steht. Im Maasailand gibt es noch kein Privatland wie im übrigen Kenya, keine Grundbucheintragung, das Land ist Allgemeinbesitz und gehört dem gesamten Volk, der Gemeinschaft. Siedlungen, Acker- und Weideland unterliegen einem uralten Recht der Landverteilung- und nutzung, das auch auf höchster Ebene im Staat Kenya anerkannt ist. Vor der Errichtung des Health Centres hat seinerzeit der Ältestenrat von Loita getagt und hat das Grundstück ausgewählt.
Der Standort war weise gewählt worden. Oberhalb des Grundstückes befindet sich eine Quelle im Urwald, die gefasst werden konnte. Sauberes Trinkwasser ist für ein Krankenhaus ein großer wertvoller Schatz. Vor allem im "Abnabelungsprozess" von der Diözese Ngong haben die Besitzverhältnisse des Grundstückes besonders bei den österreichischen Geldgebern über HORIZONT3000 für Diskussionen gesorgt. Das traditionelle Landtribunal hat schließlich einen Brief von der Landbehörde des Bezirkes ausstellen lassen, um die Besitzverhältnisse auch für Außenstehende klar zu machen. Das Grundstück für das Loita Community Health Centre wird öffentliches Eigentum bleiben.
Die neuen Gebäude, wie der Operationstrakt, der Röntgenraum, die neue Bettenstation, das Hostel im Trainingszentrum sind laut HORIZONT3000 bis zur Abrechnung durch die Diözese Ngong, "Besitz" von HORIZONT3000, das heißt, die teilweise unfertigen Gebäude können bis zur Übergabe an die rechtmäßigen Besitzer nicht in Betrieb genommen, beziehungsweise vorher nicht fertiggestellt werden. Eine Klausel, die bei den Menschen hier auf Unverständnis stößt und eine Tatsache, die der Korruption der Diözese Ngong weiterhin Türen und Tore öffnet. Seit August hat Entasekera auch ein Ultraschallgerät, das von einem amerikanischen Internisten zur Verfügung gestellt worden ist. Den Transport von Seattle nach Entasekera hat das Gerät gut überstanden und meine"Gehversuche" mit dem Gerät werden immer besser, die "Einschulung" hat ein amerikanischer Radiologe, der
in Nairobi arbeitet, mit mir gemacht. Es kommen immer mehr Leute, die eine Untersuchung wollen. Manche verbinden mit dem Gerät auch "magische, heilende" Kräfte, was natürlich dann auf Enttäuschung stößt, wenn die Erwartung leider nicht erfüllt werden kann. Doch so ein Gerät zu haben und es in der erweiterten Diagnostik nutzen zu können, ist schon eine ganz besondere Errungenschaft. Auch die Vertreter des Gesundheitsministeriums auf Bezirks- und Provinzebene haben uns in den letzten Wochen und Monaten mehrfach besucht und Entasekera bekommt nun stetig mehr Unterstützung auch von Regierungsseite. Vor allem in der Fort- und Weiterbildung des klinischen Personals sind wir nun voll integriert in das Regierungsprogramm. Auch in das HIV / Aids-Programm der Regierung sind wir bereits eingebunden. Es ist immer recht lustig zu beobachten und zu hören, wie die Vertreter der Regierung reagieren, wenn sie nach Entasekera kommen. "Da fährt man stundenlang durch die Einöde, begegnet keinem anderen Auto und kaum Menschen, nur ab und zu einem Hirten mit seiner Herde. Baumsteppe, Hochmoorebenen, dichter Urwald, ausgetrocknete Flussläufe, tiefe Bachbette, die in der Regenzeit unüberbrückbar werden, weites Grasland, gellandschaft, kristalline Felsen, vereinzelte Maasaidörfer wechseln sich ab, die Straßen sind eine Herausforderung der besonderen Art! Und dann erreicht man plötzlich am "Ende der Welt" das Health Centre, eine "Stadt im Nirgendwo" mit Solarstrom, Fließwasser, gepflegten Wohnhäusern, emsigem Treiben, eine Anlage wie im Bilderbuch!", so hat der Provinzamtsarzt seinen ersten Besuch hier beschrieben. Es ist gut, dass nun auch die Regierungsstellen ihre Verantwortung fühlen und wahrnehmen. Damit hat Entasekera endlich einen Platz auf der Landkarte des Ministeriums bekommen.Über die Spenden aus dem Sterntaler-Konto haben wir nun auch ein Motorrad erstanden, um das so genannte"Follow-up-Programm" besser durchführen zu können. Besonders die Tuberkulose- und Aids-Patienten müssen intensiv betreut werden. Auch andere chronisch Kranke brauchen Nachsorge. Hausbesuche sind unerlässlich. Viele Maasaidörfer sind nur über Stock und Stein erreichbar, auf Wegen, die man mit einem Auto nicht passieren kann. Ein Krankenpfleger aus unserem Team hat diese Aufgabe übernommen. Das herrlich grüne Motorbike ist bereits in aller Munde. Natürlich hat es bereits ein paar Kratzer abbekommen, denn die Wegverhältnisse sind nicht immer einfach. Doch bis zur Regenzeit, wenn die Straßen und Wege dem Fahrer ganz besonderes Geschick aberverlangen, wird Stephen sicher mehr geübt sein. Mit Hilfe der Sterntaler-Aktion haben wir auch die medizinisch technische Einrichtung unseres Labors verbessern können. Ambrose, der Laborant hat nun endlich eine elektrische Zentrifuge. Auch ein Sauerstoffgerät und ein Gerät zur Elektrolytbestimmung konnten wir erwerben. Allen Spendern der Sterntaler-Aktion ein ganz besonderes "Vergelt's Gott" dafür. Am Nationalfeiertag sind die Schwalben zurückgekommen. Zwei Pärchen haben gleich wieder begonnen, die alten Nester zu beziehen. Es ist ein Gezeter ums Haus, als ob mir alle "Schöne Grüße aus der Heimat" überbringen wollten. Ende des Jahres, am 27. Dezember sind Wahlen hier in Kenya. Der Wahlkampf "tobt" bereits.



Ich hoffe und bete, dass der beste Kandidat und die beste Regierung für das Land und die Menschen zum Zug kommt. Ich werde die Wahlen "aus der Ferne beobachten", denn ich werde zu Weihnachten zu Hause sein. Vor kurzem hatte ich Besuch aus der Heimat. Michael Knauer und "Bergrettungs- Mander" aus Mayrhofen und Umgebung, die gerade den Kilimandjaro bestiegen haben, waren nach dem "Gipfelsieg" nach Entasekera gekommen. Ich habe mich riesig gefreut. Die Männer aus dem Zillertal haben bei uns natürlich für größte Aufregung gesorgt. Neben den gespendeten 9 Krankenbetten der Bergrettungsmänner wurden verschiedene medizinische Geräte, die im Laufe der letzten Monate aus Geldern der Aktion Sterntaler angekauft wurden, ihrer Bestimmungübergeben. Eine gelungene Abschiedsfeier mit traditionellem Essen, Tanz und Gesang beendete diesen Besuch aus meiner Heimat. Zum Schluss möchte ich noch einmal allen ganz herzlich danken, die uns im vergangenen Jahr über die Sterntaler-Aktion unterstützt haben. Danke auch für die Verbundenheit und die vielen Lebenszeichen, über die ich mich immer sehr freue.

Auf Wiedersehen zu Weihnachten -
eure Maria mit Team

 
     
1 Euro = 1 Sterntaler. Spendenkonto Zillertaler Sterntaler, Raiffeisenbank Hippach, Kto 53.876, BLZ 36241