23. Dezember 2007 - Bergretter aus Mayrhofen am Kilimanjaro:
Von Sterntalern und bösen Geistern.
Wunderbare Erlebnisse, tolle Bergerfahrungen, Einblicke in das Leben von Menschen, die Schönheiten der unberührten Natur, traumhafte Landschaften, sowie Freud und Leid von vielen Menschen konnten neun Mitglieder der Bergrettung Mayrhofen im Herbst diesen Jahres von ihrer Reise nach Afrika mitnehmen.
Dieses Abenteuer führte von München über Amsterdam nach Nairobi, der Hauptstadt von Kenia in Ostafrika. Um das erste Ziel, die Besteigung des Mount Kilimanjaro - eines zwei Millionen Jahre alten Vulkanes - zu erreichen, ging es in einer turbulenten Fahrt an die Grenze zwischen Kenia und Tansania. Nach Erledigung der Einreiseformalitäten wurde uns die Crew vorgestellt, die uns am Berg begleiten sollte. Dieses Team bestand aus einem einheimischen Führer, seinem Assistenten, einem Koch und einem Dolmetscher. Siebzehn Träger beförderten einen Teil unserer Ausrüstung, wie Zelte, Verpflegung und das wertvolle Wasser - zum Teil sogar auf dem Kopf.
Der Marsch, nördlich des Kibo Massivs beginnend, ging auf der sehr wenig begangenen Nalemoru Route in Richtung Sattel des Kilimanjaro, was auf Swahili "Berg des bösen Geistes" bedeutet. Das langsame Gehen war für uns eine neue Erfahrung, wir mussten uns erst an diese Höhen gewöhnen und uns für die Besteigung anpassen. Die fünf Etappen bis zum Gipfel führten uns durch wunderbare Vegetationszonen und Landschaften: tropischer Regenwald mit riesigen alten Bäumen, seltenen Blumen, Moosen und schönen Bachläufen, sowie karge, nahezu unbewachsene Hügellandschaften, riesige Hochebenen auf der nur vulkanisches Gestein und Asche zu erblicken waren, und die imposante hochalpine Zone mit wuchtigen Gletschern und Eisbrüchen. Nach fünf Tagen der Akklimatisierung, Übernachtungen in Zelten und ausgezeichneter Verpflegung erreichten wir neun Bergretter aus Mayrhofen den Gipfel des Kilimanjaro. Die Freude war groß als in den frühen Morgenstunden des 31. Oktober alle am Gilman's Point in 5.685m Höhe ankamen. Der überwiegende Teil der Gruppe erreichte zudem den Uhuru Peak in 5.895m Höhe. Nach einer kurzen Gipfelrast erfolgte der lange Abstieg über die sehr viel begangene Hauptroute, an Kibo- und Horombohütte vorbei, hinunter an den südlichen Eingang des Kilimanjaro National Park.
Um uns von den Anstrengungen am Berg zu regenerieren, erholten wir uns im Amboseli National Park in einem Camp inmitten der Savanne. Bei sehr aufregenden Safaris kamen wir Löwen, Elefanten, Wasserbüffeln, Giraffen, Zebras, Affen, Antilopen, Straußen und Hyänen gefährlich nahe.
Ein zweiter Höhepunkt der Afrikareise führte uns in das wunderbare Hochland der Masai Mara. In Entasekera, einem sehr abgelegenen Dorf mitten im afrikanischen Urwald, besuchten wir Frau Dr. Maria Schiestl, die dort in sehr mühsamer Arbeit ein Krankenhaus, das Entasekera Health Center, betreibt. Mit vielen Spenden aus der Heimat Tirol kann die Arbeit von Daktari Maria, wie sie liebevoll genannt wird, unterstützt werden. Wir hatten die Möglichkeit, einen Einblick in den täglichen Ablauf und ihre einfühlsame Arbeit zu bekommen. Sie führte uns durch das Krankenhaus, zeigte uns die Räumlichkeiten und erklärte uns die Aufgabengebiete ihrer Mitarbeiter. Einige von uns konnten der Ärztin und ihren Mitarbeitern im Krankenhaus helfen. Der andere Teil unserer Gruppe kümmerte sich um Marias Haus und Garten, wo diverse Arbeiten zu verrichten waren. Wir konnten mit Spendengeldern der Aktion "Sterntaler" angekaufte medizinische Geräte zur Blutanalyse und Diagnostik, Verbandsmaterialien sowie neun neue Krankenbetten und Nachtkästchen für das Krankenhaus übergeben. Frau Schiestl, ihre Mitarbeiter, aber auch die Patienten freuten sich sichtlich über die Errungenschaften. Die neuen Geräte und Einrichtungsgegenstände sind eine große Bereicherung für das Krankenhaus und die Versorgungsmöglichkeiten der Patienten. Bei diesem Besuch im Entasekera Health Center wurde auch Filmmaterial aufgenommen, um über die Arbeit von Frau Dr. Schiestl zu berichten. Im Lokal TV Mayrhofen war dieser Bericht vor kurzem laufend zu sehen. Mit toller Unterstützung von Videoproduktionen Kröll konnte eine lebensnahe Dokumentation über die Arbeit von Dr. Maria gemacht werden. DVDs (und Videokassetten) dieses Films können bei Videoproduktionen Kröll (Hollenzen), Red Zack Wierer (Mayrhofen), Herrenmoden Knauer (Mayrhofen), Cicero Design und Druck (Mayrhofen) und Betten Eberharter (Ramsau) bezogen werden.
In Entasekera bot sich uns die Gelegenheit, das einfache Leben der Menschen kennen zu lernen. Das Zusammenleben zwischen Tier und Mensch funktioniert in diesem Land wunderbar, die Menschen passen sich an die Natur mit all ihren Vorgaben, Gefahren und Ressourcen optimal an. Das Wohnen in einfachen runden Lehmhütten, die Bewirtschaftung und Bewässerung von Feldern und Äckern, sowie der Respekt vor der Natur sind vorbildhaft für den Einklang zwischen Mensch und Natur.
Nach einigen Tagen Aufenthalt und der Aufnahme vieler Eindrücke in Entasekera ging die Reise weiter nach Narok, einer Bezirkshauptstadt nordwestlich von Nairobi. Daktari Maria legt diese 180km lange und beschwerliche Wegstrecke im 14-Tage-Rhythmus zurück, um Nahrungsmittel und Medikamente zu besorgen, aber auch um nervenaufreibende Behördengänge zu erledigen. Der Kreis unserer Reise schloss sich wieder am Flughafen in Nairobi, von wo aus wir mit vielen herrlichen Erlebnissen, tollen Erfahrungen und Einblicken in das afrikanische Leben wieder die Heimreise nach Tirol antraten. Wieder zurück in der Heimat dürfen wir von einer erlebnisreichen, unvergesslichen Reise nach Afrika berichten und hoffentlich lange Zeit davon zehren.
(FW)