10. Dezember 2006 - Faszination Kenya: Bericht von Dr. Maria Schiestl - Teil 3:
Wüstenblume

Frauen und Kinder sind am meisten mit der männlich dominierten Tradition konfrontiert.
Nur mit Diplomatie, Geduld und Einfühlvermögen kann an den traditionellen Wurzeln der Maasai gerüttelt werden und an ihre Vernunft appelliert werden.
Tabuisiertes Ritual
Ein anderes großes Problem ist die Beschneidung, besser gesagt, die "Genitalverstümmelung" der Frauen. Dies ist ein Thema, das Europäern gegenüber tabuisiert wird. Nur langsam und in vorsichtigen Gesprächen kann ich zumindest mit meinen Mitarbeitern darüber reden, doch bereits das empfinde ich als Erfolg. Ein massiveres Auftreten meinerseits gegen diese Tradition würde zur Folge habe, dass die Mädchen immer jünger diesem "Ritual" unterzogen werden.
Wüstenblume
Wer das Buch von Waris Derie: "Die Wüstenblume" gelesen hat, kann sich eine kleine Vorstellung machen über das Martyrium der Mädchen.
Das Health Centre ist relativ gut ausgestattet, was die Medikamente und medizinischen Hilfsmittel in der Akutversorgung betrifft. An diagnostischen Maßnahmen stehen uns nur ein minimal ausgestattetes Labor, das Stethoskop und unsere "Hände" zur Verfügung. Die Erhebung der Krankengeschichte ist wegen der Sprachbarriere immer ein längeres Unterfangen. Auch wenn man die Sprachkenntnisse hat, ist es unbedingt notwendig, die Denkweise, die kulturellen Hintergründe, den Zeitbegriff der Menschen genau zu kennen. Die Erhebung von Daten und Ereignissen ist nie "geradlinig" - erst durch das mehrfache Umformulieren einer Frage kommt man zur Auskunft nach der man fragt. All das ist zeitaufwendig und erfordert viel Geduld.
Operativ können wir nur kleine Eingriffe machen, weil wir noch keinen funktionierenden Operationssaal haben. Es ist zwar ein Operationstrakt und Röntgenraum in Bau, die Inbetriebnahme liegt jedoch in weiter Ferne.
Vor allem aber auch die bessere Ausstattung des Labors und des Schockraumes für Notfälle sind ein vorrangiges Ziel, um schneller zu einer genauen Diagnose zu kommen und kritische Fälle gezielter behandeln zu können.