9. März 2008 - Wiedersehen in Kenya - Teil I von Dr. Maria Schiestl:
Unruhen hinterlassen Schäden

Seit einem Monat bin ich nun wieder zurück in Entasekera und es ist an der Zeit, ein kurzes Lebenszeichen zu schicken.

Der Abschied von der Familie war schwer, die Anreise war wegen der langen Aufenthalte in Frankfurt und Doha langwierig und mühsam. In Frankfurt hat man mir gleich mitgeteilt, dass die Innsbrucker vergessen hatten, mein Gepäck mitzuschicken, aber man werde sich bemühen, dass ich es dann in Nairobi bekomme. Von Doha nach Nairobi war ich die einzige Europäerin unter etwa 400 Fluggästen, einige Chinesen, Asiaten und der Großteil Afrikaner. Die Unruhen in Kenya hatten sich also bereits auf den internationalen Tourismus ausgewirkt. Nur die Chinesen waren anscheinend mutig genug, nach Nairobi zu fliegen.

Die Einreise in Nairobi am 22. Jänner war ohne Probleme, aber mein Gepäck war wie bereits befürchtet nicht da. Doch Quatar Air hat sich offensichtlich sehr bemüht und am Abend des nächsten Tages ist dann mein Gepäck mit der Swissair über Zürich gekommen. Gott sei Dank, denn im Koffer hatte ich auch das Modem für den Internet-Anschluss!! und viele andere Dinge, die ich sehr vermisst hätte, wäre der Koffer verloren gegangen.

Nairobi war ruhig, mit viel Polizei- und Militär an allen Ecken und Enden, die Straßen fast menschenleer, eine fast geisterhafte Stimmung. In die Innenstadt bin ich natürlich nicht hineingekommen und musste ich auch nicht. Ich habe am Folgetag am Abend (23. Jänner) mein Gepäck geholt und noch einmal in Nairobi übernachtet. Um die Zeit zu überbrücken, habe ich sehr viel Nachrichten geschaut, um mich auf den neuesten Stand zu bringen. Die große Hoffnung, dass Kofi Anan eine bedeutende Vermittler-Rolle spielen wird können, wurde in allen Sendungen zum Ausdruck gebracht. Kofi Anan sollte derjenige sein, der die Probleme auf den Punkt bringen wird können und dem beide, Raila und Kibaki, vertrauten. Alle anderen Vermittlungsversuche waren bis dato fehlgeschlagen.
Am 24. Jänner hat mich Peter, ein Taxifahrer aus Narok bereits um 7.00 Uhr in der Früh abgeholt. Auf den ca 180 Kilometern von Nairobi nach Narok, ist uns kein einziges öffentliches Fahrzeug begegnet, die Ortschaften im Rift Valley waren menschenleer. Peter hat viele Geschichten erzählt über die Ereignisse, die sich nach dem Wahlbetrug zugetragen hatten, doch jetzt sei Narok wieder ruhig und das Leben kehre langsam zurück in die Stadt. Trotzdem war ich schockiert. Narok war wie ausgestorben, der Markt niedergebrannt, einige Geschäfte an der Hauptstraße zerstört und ausgebrannt, die meisten kleinen Geschäfte geschlossen, keine Musik aus den Lokalen, viel Polizei und Militär.

Ich habe mein Auto in der Werkstatt abgeholt, vollgetankt, Geld für die Löhne auf der Bank geholt und eingekauft. Um 13.00 Uhr war ich bereits unterwegs in Richtung Loita und um 16.00 Uhr war ich endlich wieder in Entasekera. Es war ein freudiges Wiedersehn, viele hatten befürchtet, ich käme nicht wieder!

 
     
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