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3. Dezember 2006 - Faszination Kenya: Bericht von Dr. Maria Schied Teil 2:
Hoffen auf ein Wunder

Die medizinischen Ansichten der Maasai sind tief in ihrer Tradition verwurzelt und führen oft zu einem Konflikt mit westlichen Behandlungsweisen.

Priester und Heiler
Das Volk der Maasai war auf ihren großen Wanderungen immer unabhängig von Einflüssen von außen. Traditionen, Brauchtum, Religion bestimmen den Lauf des Lebens und bilden eine untrennbare Einheit. Gesundheit und Krankheit sind ein Ganzes, Körper und Geist unterliegen einem kosmischen Gleichgewicht. Die geistigen Führer der Maasai sind Richter, Lehrer, Priester, Heiler und Medizinmänner in einem. Krankheiten werden im Gegensatz zur westlichen Medizin nicht als losgelöstes Krankheitsbild gesehen.
Über Entstehung und Heilung verschiedener Krankheiten haben die Maasai ihre eigenen Theorien. Die "Behandlungsmethoden" schließen immer auch eine Geistheilung mit ein. Die Behandlungsmittel sind großteils pflanzlicher Natur, Details darüber werden aber neugierigen Fragern vorenthalten.
Die westliche Medizin wird oft nur mit Skepsis akzeptiert.

Hoffen auf ein Wunder
Unser Problem besteht darin, dass die Patienten oft viel zu spät ins Krankenhaus kommen und dann ein "Wunder" erwarten. Zuerst wird meistens der Heiler aufgesucht. Dieser verordnet einen Trunk aus bitteren Kräutern, um den Kranken zum Erbrechen zu bringen, damit die Krankheit den Körper verlässt. Schmerzen werden mit Schmerzzufügung behandelt. Die Haut eines Menschen, der an chronischen Schmerzen leidet ist wie eine Landkarte, die alleine schon bei der Untersuchung Auskunft über den "Ort" der Schmerzen Auskunft giht. Viele dieser "Behandlungen" durch den Heiler, hinter denen jahrtausendealtes Wissen und weitergegebene Erfahrung stehen, führen zum gewünschten Erfolg. Wo aber ein Heiler nicht mehr weiter weiß, empfiehlt er fairerweise das Krankenhaus.

Medizin aus dem Busch
Das Problem beginnt aber hei den Scharlatanen, die es leider auch gibt und die das Vertrauen der Menschen missbrauchen. Auch sogenannte "Eigenbehandlungen" laut dem Motto: "beim Nachbar hat dies oder jenes geholfen", sind ein großes Problem. Dadurch kommt es zu Überdosierungen oder Fehlbehandlungen durch das falsche Gemisch, frei nach der Devise: mehr ist besser und wirkt schneller. Wenn dann der Patient schließlich in einem hochgradigen Vergiftungszustand ins Krankenhaus gebracht wird, ist es vielfach fast zu spät. Meistens weil keiner sagen kann, welche Stoffe in einem solchen Gemisch drin sind. Die Wechselwirkungen mit westlichen Medikamenten sind nicht bekannt und auch nicht erforscht.
Unsere Behandlungsmaßnahmen sind dann immer nur ein verzweifelter Versuch, den Menschen zu retten. Wenn es gelingt, grenzt dies immer an ein Wunder. Der späte Krankenhausbesuch ist überhaupt unser größtes Problem. Meistens kommt der Patient erst am Folgetag oder manchmal erst nach Tagen des Unfalls oder der Erkrankung. Knochenbrüche sehen auch wir nicht immer sofort, außer die "Verrenkung" der Gliedmaße, die Schwellung und die Schmerzen werden unerträglich und führen uns zu den Verletzungen.

... aus Überzeugung
Kürzlich wurde der etwa 8-jährige Barbo zu uns gebracht, der während seiner Arbeit als Ziegenhirte von einem anderen Buben im Zuge eines Streites mit dem Rungu (ein spezieller Stock, der eine knollenartige Auftreibung an einem Ende hat und als Verteidigungswaffe gegen wilde Tiere dient) eins drüberbekommen hat. Das Ganze war 5 Tage vorher passiert. Der Stockhiebhatte eine Platzwunde über dem linken Auge, einen Jochbeinbruch und eine Verletzung des Auges verursacht. Beide Augen waren total verschwollen. Die Platzwunde war verklebt und verkrustet, die Hautabschürfungen bereits in Abheilung begriffen, mit dem linken Auge konnte Barbo nur noch Licht und Dunkel unterscheiden. Eine sofortige Überstellung zur Röntgen- und augenärztlichen Untersuchung im nächstgelegenen Krankenhaus (Wasso/ Loliondo) über der Grenze in Tansania haben die Angehörigen abgelehnt. Sie wollten nur eine Medizin, um die Schwellung zu behandeln und die Schmerzen zu lindem. Alle Überzeugungsversuche brachten keinen Erfolg. Erst am Folgetag konnte der Bruder des Patienten überzeugt werden, seinen Bruder nach Wasso zu bringen, um vielleicht doch sein Augenlicht zu retten.

Jeder Sterntaler hilft Frau Dr. Maria Schiestl aus Ramsau beim Aufbau ihrer Krankenstation in Kenya.

 
     
1 Euro = 1 Sterntaler. Spendenkonto Zillertaler Sterntaler, Raiffeisenbank Hippach, Kto 53.876, BLZ 36241